Auf Spurensuche...

Diesen Post hab ich auf meiner Facebookseite ja schon am Dienstag versprochen, aber mir haben dazu noch ein paar Bilder gefehlt, die am Rechner von meinem Freund lagen, deswegen hat es bis heute gedauert. Macht auch nichts, denn dann kann ich auch gleich wieder bei Rums dabei sein... Allerdings wird heute alles ein bisschen anders sein...


Am letzten Wochenende waren wir auf Spurensuche, genauer gesagt, wir haben mit der gesamten Schwiegerfamilie einen Ausflug zu einem Teil der Wurzeln der Familie gemacht. Dazu nahmen wir eine drei- bis vierstündige Autofahrt ins Gottscheer Land auf uns.
Das Gottscheer Land war eine deutsche Sprachinsel im heutigen Slowenien und ist nach der Stadt Gottschee (Kočevje) benannt. Die Gottscheer hatten auch einen eigenen Dialekt (je nach Region im Gottscheer Land gibt es auch hier kleine, aber merkbare Unterschiede) - das Gottscheerisch. Uns wurde auch etwas in Gottscheerisch vorgelesen, teilweise hab ich es verstanden, aber es ist doch eine ganz eigenene Sprache. Leider wird diese Sprache heute nur mehr von wenigen Menschen gesprochen, auch an den Schulen wird sie nicht unterrichtet. Das finde ich sehr schade, denn wenn eine Sprache verloren geht, dann geht auch ein Teil der Kultur verloren.

Blick übers Tal - auf der Hügelkuppe im Hintergrund sind die Weingartensiedlungen erkennbar
Einzelne Personen sind jedoch sehr engagiert, die Kultur und Sprache der Gottscheer so gut wie möglich zu erhalten. Verschiedene Kulturerhaltungsvereine wurden gegründet, die Kirchen wurden oft mit Eigenfinanzierung und Eigenmaterial saniert und den Kindern wird die Sprache zum Beispiel in Sommerkindergärten "beigebracht". Die Gottscheer Verwandschaft meiner Schwiegerfamilie ist bei vielen Projekten sehr engagiert.

Im Gottscheer Land leben heute aber nicht mehr viele Gottscheer, durch Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung während und nach dem 2.Weltkrieg.

Hornwald
Unser Ausflug war sehr schön und informativ, aber auch anstrengend, vor allem für die Kinder war es nicht immer so lustig, da wir doch ein paar Mal im Auto saßen und oft nur kurz stehen blieben. Ich möchte aber sehr gerne wieder einmal dorthin, da wir leider aus Zeitmangel keine Möglichkeit hatten, die Stadt Gottschee zu besuchen.

Unser erster Programmpunkt führte uns in den Hornwald zum ehemaligen Partisanenlager "Baza 20". Im ganzen Wald liegen Hütten verstreut, der Großteil davon versteckt in den Dolinen. Dieses Lager wurden von den Deutschen nie entdeckt. 

Partisanenlager-Baracke im Hornwald
In der Mittagspause waren mein Freund und ich dann noch mit seinem Bruder auf der Suche nach einem alten Sägewerk. Leider war die Zeit zu kurz, wir konnten aber noch einen schnellen Abstecher zu einem der Massengräber machen. Das war kein schöner Ort. Dort wurden die Toten (unter anderem auch aus Kärntner Lagern) einfach in eine tiefe Felsspalte geworfen. Wirklich grauenhaft. Heute ist die Stelle umzäunt, ein großes Holzkreuz und eine Kerze erinnern an die Gräueltaten.

Am Nachmittag begann dann die richtige Spurensuche, wir besuchten verschiedene Orte die in Verbindung mit der Familie stehen. Das kleine Dorf Pöllandl mit der wunderschön sanierten kleinen Kirche (die Inschriften sind dort noch auf Deutsch), die Kirche und den Friedhof Stockendorf  (das Dorf wurde im Krieg fast komplett zerstört, in der Kirche wurden damals die Pferde gehalten) und das Heimatdorf und -haus der Großmutter (das ist nicht die Großmutter, für die ich die Stofftaschen damals genäht habe), wo heute noch die Gottscheer Verwandtschaft lebt.




Pöllandl
Am Sonntag waren wir dann noch bei der Messe in der Pöllandler Kirche, eine ganz eigene Erfahrung, da die Messe ja auf Slowenisch war und keiner von uns etwas verstanden hat. Ich bin noch immer beeindruckt, wie brav die Kinder alle in der Kirche waren, wo sie doch auch nichts verstanden haben.






Geschnitzte Figuren in der Stockendorfer Kirche
Mehr möchte ich jetzt eigentlich nicht erzählen, weil ich manchmal schon das Gefühl habe, dass ich zu viel über mich und meine Familien preisgebe. Ich denke aber, dass, was ich geschrieben habe, gibt nicht zu viel preis.


Ich wollte euch einfach neben meinem neuen Oberteil, über das ich dann auch noch schreiben werde, ein paar Eindrücke von unserer Reise dalassen, und auch wenn Bilder viel erzählen, fand ich zusätzliche Erklärungen doch auch irgendwie wichtig. Es kann auch sein, dass ich im Nachhinein noch ergänze oder lösche...




Und nun zu meinem Oberteil, in das ich einfach absolut verliebt bin. Der Stoff ist ein Traum, so luftig und leicht, wunderbar fließend und wahnsinnig angenehm auf der Haut. Auch farblich und vom Muster her finde ich ihn einfach nur toll.
Der Rayon-Stoff nach dem Design von Joel Dewberry lag schon eine Weile bei mir zuhause. Ich wusste von Anfang an, dass es ein Oberteil werden sollte, nur nach welchem Schnitt.


Webware kann man nicht so einfach aus irgendeinem T-Shirt Schnitt nähen, schließlich soll man auch noch problemlos rein- und rausschlüpfen können und spannen soll es auch niergends. Nach vielen Überlegungen, Entscheidungen und Verwerfen ebendieser landete ich schließlich bei der Joana. Diesen Schnitt hab ich ja vor einigen Wochen zu einem T-Shirt verarbeitet, dass ich nach wie vor sehr gerne trage.



Damit das Oberteil gut passt, habe ich den Schnitt etwas angepasst. Den Ausschnitt und die Ärmel hab ich wie beim letzten Mal in Größe 38 zugeschnitten, auf der Seite hab ich die Größe 40 genommen und dann hab ich es auch noch ein bisschen verlängert.



Den Ausschnitt und den Saum hab ich mit einem cremefarbenen Satinschrägband von Buttinette eingefasst. Bei den Ärmeln wollte ich das ursprünglich auch so machen, das hätte aber nicht gut funktioniert, daher hab ich spontan einen Streifen vom fuchsiafarbenen Viskosejersey (der noch aufs Vernähen wartet) hergenommen und Bündchen genäht. Im Nachhinein hätte ich das auch beim Ausschnitt und beim Saum so machen sollen. Ob ich es noch einmal auftrennen und so mache, weiß ich noch nicht. Um ehrlich zu sein, ich bezweifle es.




Da der Ausschnitt recht weit war, da das Schrägband ja nicht gedehnt angenäht werden kann, habe ich einfach eine Kellerfalte eingebaut und es gefällt mir echt gut. Ich hab auch überlegt, ob ich an den Brüsten noch Abnäher mache, hab mich dann aber dagegen entschieden, da es eigentlich ohne nicht stört und es sowieso luftig fallen soll.





Am Wochenende hat es dann seine Bewährungsprobe bestanden und die Bilder wurden auch gleich vor Ort geknipst.




In einer anderen Farbe hab ich den Stoff auch noch hier liegen, es soll ein Kleid daraus werden, für den Schnitt hab ich mich allerdings noch nicht entschieden...

So und jetzt kommen noch ein paar Bilder...












Ich wollte immer schon eine Mohnblume fotografieren und hatte noch nie die Chance dazu :-)
Solche wunderschönen Scheunen sieht man dort überall
Hornwald
Hornwald
Stoff: Rayon von Joel Dewberry von Tommy und Lilly
Schnitt: Joana von Jolijou

Verlinkt bei: Create in Austria, Rums


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